Rürup-Rente oder ETF-Sparplan? Vergleich für Selbstständige
Zwei Wege, die kaum unterschiedlicher sein könnten
Selbstständige in Deutschland ohne Pflichtversicherung müssen ihre Altersvorsorge selbst organisieren. Die beiden Klassiker sind die Rürup-Rente, offiziell Basisrente, und der ETF-Sparplan im eigenen Depot. Der eine Weg spart heute Steuern und bindet dich lebenslang, der andere lässt dir alle Freiheiten und kostet dafür den Sofortvorteil. Dieser Artikel stellt beide nüchtern gegenüber, inklusive einer Beispielrechnung mit klar gekennzeichneten Annahmen.
Wie die Rürup-Rente steuerlich funktioniert
Beiträge zur Basisrente gehören zu den Altersvorsorgeaufwendungen und sind als Sonderausgaben abziehbar. Der Höchstbetrag liegt 2026 bei 30.826 Euro für Alleinstehende, für zusammen veranlagte Ehepaare gilt der doppelte Betrag. Beiträge werden zu 100 Prozent angesetzt. Wer in die gesetzliche Rentenversicherung oder ein Versorgungswerk einzahlt, muss diese Beiträge auf den Höchstbetrag anrechnen, hat also weniger Luft nach oben.
Der Vorteil kommt sofort: Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent reduziert jeder eingezahlte Euro deine Steuerlast um 42 Cent, mit Soli und Kirchensteuer gegebenenfalls etwas mehr. Die Soli-Freigrenze liegt 2026 bei 20.350 Euro festgesetzter Einkommensteuer.
Der Preis dafür steht in den Vertragsbedingungen:
- Keine Kapitalauszahlung. Es gibt ausschließlich eine lebenslange monatliche Rente, frühestens ab einem gesetzlich definierten Alter.
- Nicht kündbar. Du kannst höchstens beitragsfrei stellen. Das eingezahlte Geld bleibt bis zum Rentenbeginn im Vertrag.
- Nicht ohne Weiteres vererbbar. Stirbst du vor Rentenbeginn, verfällt das Guthaben in der Grundvariante zugunsten der Versichertengemeinschaft. Hinterbliebenenschutz oder Rentengarantiezeit sind Zusatzbausteine und kosten Rendite.
- Nachgelagerte Besteuerung. Die spätere Rente ist steuerpflichtig, der Besteuerungsanteil hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab und steigt schrittweise auf 100 Prozent.
Dafür ist das Guthaben in der Ansparphase pfändungsgeschützt und wird beim Bürgergeld nicht als verwertbares Vermögen angerechnet. Für Selbstständige mit schwankendem Einkommen ist das ein echtes Argument.
Wie der ETF-Sparplan steuerlich funktioniert
Beim Depot gibt es keinen Sonderausgabenabzug. Du zahlst aus versteuertem Einkommen ein. Dafür bleibt alles in deiner Hand: Rate ändern, aussetzen, verkaufen, umschichten, teilweise entnehmen, vererben.
Steuerlich greifen Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf Kursgewinne und Ausschüttungen. Bei Aktienfonds mindert die Teilfreistellung die Bemessungsgrundlage, und thesaurierende Fonds werden über die Vorabpauschale laufend besteuert. Bis zum Sparerpauschbetrag bleiben Kapitalerträge steuerfrei.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Rendite des Produkts, sondern in der Frage, wie viel Geld bei gleichem Bruttoaufwand überhaupt investiert wird.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | Rürup-Rente | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Steuervorteil bei Einzahlung | Sonderausgabenabzug bis 30.826 € | keiner |
| Besteuerung im Alter | nachgelagert als Renteneinkommen | Abgeltungsteuer auf Gewinne |
| Kapitalauszahlung | nicht möglich | jederzeit möglich |
| Kündbar | nein, nur beitragsfrei stellen | ja |
| Vererbbar | nur mit Zusatzbaustein | vollständig |
| Flexible Raten | eingeschränkt, je nach Tarif | frei |
| Pfändungsschutz Ansparphase | ja | nein |
| Kosten | Abschluss- und Verwaltungskosten des Versicherers | Ordergebühr und Fonds-TER |
| Langlebigkeitsrisiko | trägt der Versicherer | trägt du selbst |
Der letzte Punkt wird oft übersehen. Eine lebenslange Rente zahlt auch mit 98 noch, ein Depot ist irgendwann leer. Umgekehrt: Wer früh stirbt, verschenkt bei der Rürup viel Geld.
Beispielrechnung: 10.000 Euro Bruttoaufwand
Angenommen wird ein Grenzsteuersatz von 42 Prozent, ohne Soli und Kirchensteuer. Der Vergleich läuft über denselben Bruttoaufwand von 10.000 Euro, also über Geld, das du vor Steuern zur Verfügung hast.
| Position | Rürup | ETF-Depot |
|---|---|---|
| Bruttoaufwand | 10.000 € | 10.000 € |
| Steuerwirkung heute | −4.200 € Ersparnis | keine |
| Steuer auf das Geld | 0 € | −4.200 € |
| Tatsächlich investiert | 10.000 € | 5.800 € |
| Netto-Eigenaufwand | 5.800 € | 5.800 € |
Der Rürup-Vertrag startet also mit 72 Prozent mehr Kapital. Jetzt die Wertentwicklung. Die folgende Rendite von 5 Prozent pro Jahr über 20 Jahre ist eine reine Rechenannahme und keine Prognose. Kosten der Produkte sind nicht berücksichtigt, was in der Praxis eher zulasten der Versicherungslösung geht.
| Position | Rürup | ETF-Depot |
|---|---|---|
| Startkapital | 10.000 € | 5.800 € |
| Nach 20 Jahren (Annahme 5 % p. a.) | 26.533 € | 15.389 € |
| davon Gewinn | 16.533 € | 9.589 € |
| Steuer bei Entnahme | fällt als Rente an, Satz im Alter | rund 1.678 € auf den Gewinn |
| Verfügbar bzw. verrentet | 26.533 € nur als Rente | rund 13.711 € frei verfügbar |
Die Zahlen zeigen das Kernproblem des Vergleichs: Die Rürup gewinnt beim Kapitalstock deutlich, aber das Ergebnis ist nicht frei verfügbar und die spätere Rente ist steuerpflichtig. Ob am Ende mehr netto ankommt, hängt an deinem Steuersatz im Ruhestand, an deiner Lebenserwartung und an den Vertragskosten. Rechne deinen persönlichen Grenzsteuersatz mit dem Einkommensteuer-Rechner durch und spiele die Vorsorgelücke im Altersvorsorge-Rechner durch. Einen Überblick über alle Bausteine gibt der Artikel zur Altersvorsorge für Selbstständige.
Wann sich was eher lohnt
Die Rürup passt eher, wenn dein Einkommen hoch und stabil ist, dein Grenzsteuersatz jetzt deutlich über dem erwarteten Satz im Alter liegt, du keine Erben absichern musst und du eine planbare lebenslange Zahlung willst.
Der ETF-Sparplan passt eher, wenn dein Einkommen schwankt, du Kapital für Investitionen oder schlechte Jahre brauchst, du vererben willst oder du noch nicht weißt, ob du überhaupt in Deutschland in Rente gehst. Ein Umzug ins Ausland macht eine Rürup nicht wertlos, aber unhandlich.
In der Praxis ist die Kombination oft sinnvoll: den Sonderausgabenabzug bis zu dem Punkt nutzen, an dem der Steuervorteil hoch ist, und den Rest flexibel im Depot halten.
Häufige Fehler
Der größte Fehler ist, die Rürup nur wegen des Steuervorteils zu unterschreiben. Der Abzug ist keine Rendite, sondern eine Steuerstundung. Wenn dein Steuersatz im Alter ähnlich hoch ist, bleibt vom Vorteil wenig übrig.
Zweiter Fehler: zu hohe Beiträge in guten Jahren. Ein Rürup-Vertrag lässt sich nicht kündigen. Wer sich übernimmt, stellt beitragsfrei und trägt die Abschlusskosten trotzdem. Setze die laufende Rate niedrig an und arbeite mit Zuzahlungen in starken Jahren.
Dritter Fehler: Kosten ignorieren. Zwischen einem kostengünstigen Nettotarif und einer teuren Provisionslösung liegen über die Laufzeit erhebliche Beträge. Frag nach Effektivkosten, nicht nach der Musterrente im Prospekt.
Vierter Fehler: alles auf eine Karte. Weder ein einzelner Versicherungsvertrag noch ein einzelner ETF ist eine vollständige Altersvorsorge. Berufsunfähigkeitsschutz und eine Liquiditätsreserve gehören davor.
Häufige Fragen
Kann ich beides parallel machen?
Ja, und für viele Selbstständige ist genau das die sinnvolle Lösung. Die Rürup deckt die Basis und den Steuervorteil ab, das Depot die Flexibilität. Wichtig ist nur, dass die Rürup-Rate so bemessen ist, dass du sie auch in einem schwachen Jahr tragen kannst.
Was passiert mit der Rürup, wenn ich wieder angestellt werde?
Der Vertrag läuft weiter, du kannst ihn beitragsfrei stellen oder weiter besparen. Steuerlich ändert sich, dass deine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung auf den Höchstbetrag angerechnet werden, der Spielraum für Rürup-Beiträge also kleiner wird.
Ist der ETF-Sparplan im Alter unsicherer?
Er trägt ein anderes Risiko. Der Wert schwankt und du musst die Entnahme selbst steuern, damit das Geld reicht. Dafür kannst du in schlechten Börsenphasen die Entnahme reduzieren, was ein starrer Rentenvertrag nicht zulässt. Wer beides kombiniert, glättet dieses Risiko.
Lohnt sich die Rürup bei niedrigem Einkommen?
Meist nicht. Der Steuervorteil hängt direkt am Grenzsteuersatz. Bei einem Gewinn nahe dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro sparst du kaum Steuern, bindest dich aber lebenslang. In dieser Situation ist Flexibilität in aller Regel mehr wert.
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