Calctry
← Zurück zum Blog
DE · AT · CH · 28.7.2026 · 9 Min. · Altersvorsorge

Altersvorsorge für Selbstständige: Was du heute tun musst

Von der Calctry-Redaktion · zuletzt geprüft am 28.7.2026

Altersvorsorge für Selbstständige: Was du heute tun musst

Die Rente ist das Thema das die meisten Selbstständigen am liebsten ignorieren — und genau das wird zum Problem. Wer keine eigene Vorsorge trifft, riskiert Altersarmut. Hier erfährst du was in jedem Land möglich ist und was am meisten bringt.

👉 Altersvorsorge-Rechner auf Calctry →

Warum Selbstständige besonders aufpassen müssen

Als Angestellter zahlt der Arbeitgeber die Hälfte der Rentenversicherung. Als Selbstständiger bist du auf dich allein gestellt. Dazu kommt:

  • Keine Arbeitslosenversicherung: Bei Auftragsflaute keine staatliche Unterstützung
  • Keine betriebliche Altersvorsorge: Kein Arbeitgeber zahlt mit
  • Einkommensunregelmäßigkeiten: In guten Jahren viel, in schlechten wenig — Vorsorge muss das aushalten

Die Faustregel: Mindestens 15–20% des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge zurücklegen.


Deutschland 🇩🇪: Deine Optionen

1. Deutsche Rentenversicherung (DRV) — freiwillig

Freiberufler können freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen:

  • Beitrag 2026: 18,6% des Einkommens (min. bis max. Beitragsbemessungsgrenze)
  • Vorteil: Staatlich garantiert, viele kennen das System
  • Nachteil: Geringe Rendite, wenig Flexibilität

2. Rürup-Rente (Basisrente) — steuerlich optimal

Die Rürup-Rente ist das Hauptinstrument für Selbstständige:

  • Steuerlich absetzbar bis 27.566 € (2026, Alleinstehende)
  • Eingezahltes Geld ist pfändungssicher
  • Auszahlung ab 62 Jahren (frühestens)
  • Keine Kapitalentnahme möglich (nur Rente)

Beispiel: 10.000 €/Jahr in Rürup bei 40% Steuersatz = 4.000 € Steuerersparnis!

3. ETF/Depot — flexibel

Viele Selbstständige setzen auf eigene Investitionen:

  • Volle Flexibilität — jederzeit verfügbar
  • Keine staatliche Förderung (kein Steuervorteil)
  • Kapitalertragsteuer auf Gewinne (25%)
  • Kombination mit Rürup empfohlen

4. Immobilien

Vermiete Immobilien als Altersvorsorge:

  • Steuerliche Abschreibung (AfA)
  • Inflationsschutz
  • Aber: Hoher Kapitalbedarf, Klumpenrisiko

Empfehlung Deutschland: Rürup-Rente für Steueroptimierung + ETF-Depot für Flexibilität.


Österreich 🇦🇹: SVS-Rente + eigene Vorsorge

SVS-Pensionsversicherung

Die SVS-Pensionsversicherung ist Pflicht und automatisch:

  • Beitragssatz: 18,5% des Gewinns
  • Die SVS-Rente ist niedrig — als alleinige Altersvorsorge nicht ausreichend
  • SVS-Rente maximal: ca. 3.800 €/Monat (bei voller Einzahlungsdauer)

Private Altersvorsorge AT

  1. Zukunftsvorsorge (Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge):

    • Staatliche Prämie: ca. 4,5% der Einzahlung
    • Max. gefördert: ca. 3.200 €/Jahr
    • Bindungsdauer: 10 Jahre minimum
  2. Betriebliche Vorsorge (MVK):

    • Als Selbstständiger freiwillig möglich
    • Einzahlungen als Betriebsausgabe absetzbar
  3. Lebensversicherung / Fondspolizze:

    • Klassisch oder fondsgebunden
    • Steuerlich begünstigt unter bestimmten Bedingungen
  4. Immobilien und ETFs wie in Deutschland

Empfehlung Österreich: SVS läuft automatisch + Zukunftsvorsorge für staatliche Prämie + ETF-Depot.


Schweiz 🇨🇭: Das Drei-Säulen-System

Das Schweizer Vorsorgesystem ist das beste für Selbstständige — wenn man es richtig nutzt.

1. Säule: AHV (staatlich, Pflicht)

  • Maximale AHV-Rente: CHF 2.450/Monat (2026)
  • Reicht für grundlegende Existenz in der Schweiz nicht

2. Säule: BVG (betrieblich, freiwillig für Selbstständige)

Als Selbstständiger kannst du freiwillig der Auffangeinrichtung BVG beitreten:

  • Beiträge steuerlich absetzbar
  • Gut für hohe Einkommen und Steueroptimierung

3. Säule: Säule 3a (privat, steuerlich top!)

Die Säule 3a ist das wichtigste Instrument für Selbstständige:

  • Max. Einzahlung 2026: CHF 7.258/Jahr (ohne BVG-Anschluss: bis 20% des Nettoerwerbseinkommens, max. CHF 36.288)
  • Vollständig steuerlich absetzbar — spart je nach Kanton 2.000–7.000+ CHF/Jahr
  • Auszahlung ab 60 Jahren (frühestens 5 Jahre vor Rentenalter)
  • Bei Kapitalbezug: reduzierter Steuersatz

Beispiel: CHF 36.000/Jahr in 3a bei Steuersatz 30% = CHF 10.800 Steuerersparnis!

Mehrere 3a-Konten

Tipp: Mehrere 3a-Konten bei verschiedenen Banken öffnen. Bei der Auszahlung werden die Konten in verschiedenen Jahren ausgezahlt — das spart nochmals Steuern.

Empfehlung Schweiz: Maximale 3a-Einzahlung jedes Jahr — das ist die einfachste und effizienteste Steueroptimierung die es gibt.


Altersvorsorge Vergleich

LandPflichtvorsorgeBester SteuervorteilMax. Absetzbarkeit
DeutschlandDRV (freiwillig)Rürup-Rente27.566 €/Jahr
ÖsterreichSVS (automatisch)Zukunftsvorsorgeca. 3.200 € gefördert
SchweizAHV (automatisch)Säule 3abis CHF 36.288/Jahr

Die Schweiz bietet den höchsten Steuervorteil — auch dank BVG-Einzahlungen die ebenfalls absetzbar sind.


Wann anfangen?

Sofort. Der Zinseszinseffekt macht jeden Jahr Verzögerung teuer.

Beispiel: 500 €/Monat ab 30 vs. ab 40:

  • Start mit 30 (35 Jahre): ca. 490.000 € bei 6% Rendite
  • Start mit 40 (25 Jahre): ca. 260.000 € bei 6% Rendite

10 Jahre Verzögerung kostet fast 230.000 €.


Fazit

Altersvorsorge für Selbstständige ist kein Luxus — sie ist existenziell. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Instrumenten (Rürup DE, 3. Säule CH) sparst du gleichzeitig Steuern. Fang heute an, auch wenn es nur 200 €/Monat sind.

👉 Berechne deine Altersvorsorge-Lücke auf Calctry:


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für individuelle Anlageentscheidungen empfehlen wir einen unabhängigen Finanzberater.

AnzeigeWISO Steuer – Steuererklärung einfach selbst machen