Altersvorsorge Rechner Deutschland 2026
Stark vereinfachter Modellrechner. Reale Renditen schwanken, Inflation ist nicht konstant. Faustregel: Selbstständige sollten 15–20 % ihres Nettoeinkommens in Altersvorsorge fliessen lassen.
Hinweis: Alle Angaben dienen der groben Orientierung und ersetzen keine Steuerberatung. Werte nach aktuellem Stand — ohne Gewähr.
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Altersvorsorge für Selbstständige in Deutschland — was reicht wirklich?
Wer in Deutschland selbstständig arbeitet, hat einen entscheidenden Nachteil: Keine automatische Altersvorsorge. Anders als Angestellte zahlst du nicht automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein — und ohne aktives Handeln hast du im Alter keine Rente, nur die Grundsicherung. Dieser Rechner zeigt dir, wie viel du pro Monat sparen musst, um deinen Lebensstandard im Ruhestand zu halten.
Die drei Säulen der Altersvorsorge
Das deutsche Modell unterscheidet drei Vorsorge-Säulen:
Säule 1 — Gesetzliche Rente:
- Pflichtversichert: Angestellte, bestimmte Berufsgruppen (Handwerker, Hebammen, Künstler über KSK)
- Freiwillig versichert: Selbstständige können auf Antrag einzahlen
- Pflichtversicherung für bestimmte Selbstständige: Lehrkräfte mit weniger als einem Angestellten, Pflegeselbstständige u.a.
Säule 2 — Betriebliche/Berufsständische Vorsorge:
- Für Angestellte: Betriebsrente, Direktversicherung, Pensionskasse
- Für Freiberufler: Berufsständische Versorgungswerke (Ärzte, Anwälte, Architekten — pflichtversichert)
- Für übrige Selbstständige: keine Säule 2
Säule 3 — Private Vorsorge:
- Rürup-Rente (Basisrente): Steuerlich gefördert, lebenslange Rente
- Riester-Rente: Nur für pflichtversicherte Angestellte (Selbstständige meist außen vor)
- Privatrente: Sparpläne, ETF-Sparen, Aktien, Immobilien
Die Vorsorge-Lücke berechnen
Schritt 1: Wie viel Rente brauchst du im Alter?
Faustregel: ca. 70-80% deines letzten Nettoeinkommens im Erwerbsleben für gleichbleibenden Lebensstandard.
Beispiel:
- Heutiges Netto-Einkommen: 3'500 €/Monat
- Bedarf im Alter: 2'500 €/Monat
- Lebensdauer im Ruhestand (Annahme): 22 Jahre
Schritt 2: Was bekommst du voraussichtlich?
- Gesetzliche Rente (falls eingezahlt): siehe DRV-Renteninformation
- Private Verträge (Rürup, ETF-Sparen): aktueller Stand × erwartete Verzinsung
- Vermögen (Immobilien, Sparkonten): Auflösung über Ruhestand verteilt
Schritt 3: Lücke = Bedarf − Erwarteter Erhalt
So funktioniert dieser Rechner
Du gibst:
- Heutiges Alter und Rentenalter (Standard: 67)
- Heutiges Nettoeinkommen
- Gewünschtes Niveau im Alter (in % des heutigen Einkommens, Standard 75%)
- Bestehende Ansprüche (gesetzliche Rente, Versorgungswerk, Lebensversicherungen)
- Aktuelles Sparvermögen
- Annahme zur Inflation (Standard 2,5%) und Rendite (Standard 5%)
Der Rechner berechnet:
- Monatliche Sparrate, um die Lücke zu schließen
- Zielsumme zum Renteneintritt
- Aufteilung nach Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien)
- Visualisierung des Vermögensaufbaus über die Jahre
Beispielrechnung: 35-jähriger Berater
Ein selbstständiger IT-Berater, 35 Jahre alt, möchte mit 67 in Rente gehen. Heutiges Netto: 4'000 €/Monat. Ziel im Alter: 3'000 €/Monat (75%).
- Zeit bis Rente: 32 Jahre
- Erwartete Lebensdauer im Ruhestand: 22 Jahre
- Gesetzliche Rente (er ist nicht versichert): 0 €
- Bestehende Ansprüche: 0 € (Single, keine Vorbeschäftigung)
- Bedarf pro Monat: 3'000 € (inflationsbereinigt)
Zielsumme zum 67. Geburtstag: Bei Annahme 5% Rendite, 22 Jahre Auszahlung, 2,5% Inflation:
- Erforderliches Vermögen: ca. 750'000 € (in heutigen Euros)
- Inflationsbereinigt zukünftiger Wert: ca. 1'500'000 €
Monatliche Sparrate: Bei 5% Rendite über 32 Jahre: ca. 1'150 €/Monat sparen.
Wenn er erst mit 50 anfängt:
- Nur noch 17 Jahre Zeit
- Sparrate steigt auf ca. 4'200 €/Monat
Der Zinseszins-Effekt ist brutal — wer früh anfängt, spart die Hälfte.
Die wichtigsten Anlageformen für Selbstständige
Rürup-Rente (Basisrente):
- Vorteil: Bis zu 27'565 € pro Jahr (Single 2026) als Sonderausgabe abzugsfähig
- Nachteil: Auszahlung erst ab 62, lebenslange Rente, keine Kapitalisierung, Vererbung schwierig
- Empfehlung: Sinnvoll für die "Basis-Absicherung", aber nicht alles hineinstecken
ETF-Sparpläne (Aktien-Fonds):
- Vorteil: Flexibel, gute Rendite (langfristig 6-8% p.a.), volle Verfügbarkeit
- Nachteil: Keine Steuerförderung, Kursrisiko
- Empfehlung: Kernbaustein der Vorsorge — 60-70% des Anlagebudgets
Privatrente (klassisch oder fondsgebunden):
- Vorteil: Lebenslange Rente
- Nachteil: Hohe Kosten, geringe Rendite, schwer vergleichbar
- Empfehlung: Eher selten optimal — Direkt-ETF-Sparen meist besser
Immobilien:
- Vorteil: Inflationsschutz, Mieteinnahmen im Alter, Eigennutzung
- Nachteil: Hohe Anfangsinvestition, illiquide, Klumpenrisiko
- Empfehlung: Sinnvoll als Ergänzung, nicht als alleinige Vorsorge
Gesetzliche Rente (freiwillig):
- Vorteil: Garantierte lebenslange Rente, Inflations-Anpassung
- Nachteil: Geringe Rendite (effektiv 1-2%), eingeschränkte Vererbung
- Empfehlung: Nur sinnvoll, wenn Mindestversicherungszeit (5 Jahre) erreicht werden soll
Die Künstlersozialkasse (KSK) als Vorsorge-Hebel
Wer als Künstler, Publizist, Designer, Fotograf oder ähnlich kreativ selbstständig arbeitet, kann sich über die KSK versichern:
- Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung
- KSK übernimmt die "Arbeitgeber-Hälfte" — du zahlst nur Arbeitnehmer-Anteil
- Renteneinzahlung läuft automatisch → kein "Vorsorge-Vergessen"-Problem
Voraussetzungen:
- Hauptberufliche künstlerische/publizistische Tätigkeit
- Einkommen aus dieser Tätigkeit mindestens ca. 3'900 €/Jahr
- Antrag bei der KSK
Reine Software-Entwicklung qualifiziert NICHT, UX-Design mit gestalterischem Schwerpunkt oft schon.
Vorsorge-Aufteilung: Wie viel in welche Säule?
Empfehlung für mittleres Einkommen (60'000-100'000 € Gewinn):
- 30-40% in Rürup-Rente (Steuerersparnis nutzen)
- 50-60% in ETF-Sparpläne (Flexibilität, Rendite)
- 10% in Liquide Reserven (Notgroschen, mind. 6 Monatsausgaben)
Bei hohem Einkommen (150'000+ € Gewinn):
- 20-30% Rürup (Höchstgrenze ausnutzen)
- 40-50% ETF-Sparen
- 20-30% Immobilien (selbstgenutzt oder als Kapitalanlage)
- 10% Liquide
Die "Steuerstundungs-Falle" Rürup
Rürup-Beiträge sind heute steuerlich abzugsfähig — aber die Rente wird später besteuert. Das ist Steueraufschub, nicht Steuerersparnis.
Sinnvoll, wenn du heute einen hohen Grenzsteuersatz (40%+) und im Alter einen niedrigeren Steuersatz erwartest. Bei stabiler Einkommens- Erwartung im Alter ist der Effekt geringer als oft beworben.
Häufige Fehler bei der Selbstständigen-Vorsorge
Zu spät anfangen. Wer mit 50 startet, müsste das 3-4-fache pro Monat sparen wie mit 30. Zinseszins ist unerbittlich.
Nur in Rürup investieren. Wer alles in Rürup steckt, hat im Alter zwar Rente, aber keine Kapitalreserve für Notfälle oder Wünsche.
Zu konservativ anlegen. Tagesgeld bringt 2-3% (vor Steuer und vor Inflation = real 0%). ETFs bringen langfristig 6-8% — riesiger Unterschied über 30 Jahre.
Vorsorge nur in der Geschäftsentwicklung sehen. "Meine Firma ist meine Altersvorsorge" — bei Konkurs, Krankheit oder Verkauf zum schlechten Zeitpunkt eine fatale Annahme. Diversifikation in Privatvermögen.
Inflation ignorieren. Wer heute 3'000 €/Monat als Ziel definiert, hat in 30 Jahren bei 2,5% Inflation real nur die Kaufkraft von 1'430 € heute. Immer in heutigen Euros denken und Inflation einrechnen.
Fazit
Die Altersvorsorge ist für deutsche Selbstständige die wichtigste finanzielle Disziplin — und gleichzeitig die am häufigsten vernachlässigte. Wer früh anfängt, kann mit 800-1'200 €/Monat sparen ein bequemes Auskommen sicherstellen. Wer zu spät startet, muss entweder doppelt so viel zurücklegen oder länger arbeiten. Nutze diesen Rechner für deine konkrete Lücke — und starte heute, nicht morgen.
Häufige Fragen
Sind die Werte für Deutschland aktuell?
Ja, alle Sätze und Freibeträge werden laufend aktualisiert.
Werden meine Eingaben gespeichert?
Nein. Ohne Account bleibt alles lokal in deinem Browser. Mit kostenlosem Account kannst du eine Berechnung speichern.
Ersetzt das einen Steuerberater?
Nein — die Ergebnisse sind Orientierungswerte. Für die individuelle Steuerplanung wende dich bitte an einen Steuerberater.