Säule 3a für Selbstständige: mehr einzahlen, weniger Steuern
Säule 3a: der wichtigste Hebel für Selbstständige in der Schweiz
Wer in der Schweiz selbstständig ist und keiner Pensionskasse angehört, darf deutlich mehr in die Säule 3a einzahlen als jeder Angestellte — und spart damit spürbar Steuern. Dieser Artikel zeigt dir, wie der erhöhte Maximalbetrag funktioniert, wie viel Steuern eine Einzahlung wirklich spart und worauf du bei Kontowahl und Auszahlung achten musst.
Das Drei-Säulen-System in drei Sätzen
Die erste Säule — AHV, IV und EO — ist obligatorisch und sichert das Existenzminimum. Selbstständige zahlen dort einen Beitrag von insgesamt 10,0 Prozent auf ihr Erwerbseinkommen; der volle Satz gilt ab einem Einkommen von 60.500 Franken, darunter greift eine sinkende Skala. Details dazu stehen in AHV für Selbstständige, rechnen kannst du sie mit dem AHV-Beitragsrechner.
Die zweite Säule, die berufliche Vorsorge nach BVG, ist für Angestellte ab einem Mindestlohn Pflicht. Für Selbstständige ohne Personal ist sie freiwillig — die meisten verzichten darauf.
Die dritte Säule ist die private Vorsorge: Säule 3a gebunden und steuerlich begünstigt, Säule 3b frei verfügbar und steuerlich uninteressant.
Warum du ohne Pensionskasse mehr einzahlen darfst
Genau weil die zweite Säule für dich freiwillig ist, gewährt der Gesetzgeber einen Ausgleich. Es gibt zwei Maximalbeträge:
| Situation | Maximalbetrag |
|---|---|
| Mit Pensionskasse (Angestellte, Selbstständige mit freiwilligem BVG) | fixer Frankenbetrag, jährlich angepasst |
| Ohne Pensionskasse (Selbstständige) | 20 % des Nettoerwerbseinkommens, gedeckelt auf einen ebenfalls jährlich angepassten Höchstbetrag |
Nettoerwerbseinkommen heißt: dein Erwerbseinkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, aber vor Abzug des 3a-Beitrags selbst.
Die konkreten Frankenbeträge werden regelmäßig der Lohnentwicklung angepasst. Schau den für das laufende Jahr gültigen Wert vor der Einzahlung bei der ESTV oder bei deiner 3a-Anbieterin nach — mit Zahlen aus einem alten Ratgeber zahlst du entweder zu wenig ein oder überschreitest die Grenze.
Beispielrechnung: 90.000 Franken Einkommen
Ein selbstständiger Handwerker ohne Pensionskasse hat ein Nettoerwerbseinkommen von 90.000 Franken. Wir nehmen einen Grenzsteuersatz von 28 Prozent an — Bund, Kanton und Gemeinde zusammen. Der tatsächliche Satz hängt stark vom Wohnort ab; beim Bund liegt der Höchstsatz bei 11,5 Prozent, den größeren Teil machen Kantons- und Gemeindesteuer aus.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Nettoerwerbseinkommen | — | 90.000 CHF |
| Maximale 3a-Einzahlung | 20 % davon | 18.000 CHF |
| Steuerbares Einkommen vorher | — | 90.000 CHF |
| Steuerbares Einkommen nachher | 90.000 − 18.000 | 72.000 CHF |
| Steuerersparnis | 18.000 × 28 % | 5.040 CHF |
| Effektive Kosten der Einzahlung | 18.000 − 5.040 | 12.960 CHF |
Er legt also knapp 13.000 Franken auf die Seite und hat 18.000 Franken Vorsorgekapital. Bei diesem Einkommen ist die 20-Prozent-Regel die bindende Grenze; der absolute Höchstbetrag greift erst bei deutlich höherem Einkommen.
Wie stark eine 3a-Einzahlung deine Steuerrechnung tatsächlich senkt, hängt vom Progressionsverlauf in deiner Gemeinde ab — rechne es mit dem Einkommenssteuer-Rechner Schweiz einmal mit und einmal ohne Einzahlung durch.
Zwei weitere Effekte kommen dazu: Das Guthaben auf dem 3a-Konto ist von der Vermögenssteuer befreit, und die Zinsen und Erträge musst du nicht als Einkommen versteuern, solange das Geld gebunden ist.
Mehrere Konten staffeln — und warum das Geld spart
Bei der Auszahlung wird das Kapital getrennt vom übrigen Einkommen besteuert, zu einem reduzierten Satz — aber progressiv. Je größer der ausgezahlte Betrag in einem Jahr, desto höher der Satz.
Ein einziges 3a-Konto mit 400.000 Franken auf einen Schlag ausgezahlt landet deshalb in einer hohen Progressionsstufe. Verteilst du dieselbe Summe auf fünf Konten und lässt sie in fünf aufeinanderfolgenden Jahren auszahlen, bleibt jeder Bezug in einer niedrigeren Stufe.
So gehst du vor:
- Eröffne früh mehrere 3a-Konten und verteile die jährliche Einzahlung darauf. Ein Konto lässt sich nur vollständig auflösen, nicht teilweise.
- Drei bis fünf Konten sind in den meisten Kantonen sinnvoll. Zu viele Konten bringen wenig, weil pro Konto Gebühren anfallen und mehrere Kantone Bezüge desselben Jahres ohnehin zusammenrechnen.
- Ausgezahlt wird frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Rentenalter. Wer über das Rentenalter hinaus erwerbstätig bleibt, kann den Bezug in gewissem Rahmen aufschieben und weiter einzahlen.
- Ein Vorbezug ist nur in klar geregelten Fällen möglich: Kauf von selbst bewohntem Wohneigentum, Amortisation der Hypothek, Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, Wechsel in eine andere Selbstständigkeit, Einkauf in die Pensionskasse, definitive Auswanderung oder Bezug einer vollen IV-Rente.
Bank oder Versicherung?
Beide Wege sind steuerlich gleich begünstigt, unterscheiden sich aber grundlegend in der Verpflichtung.
| Banklösung | Versicherungslösung | |
|---|---|---|
| Einzahlung | freiwillig, Betrag frei wählbar | vertraglich festgelegte Prämie |
| Anlage | Konto oder Wertschriftendepot, frei wählbar | im Produkt festgelegt |
| Risikoschutz | keiner | Tod und Erwerbsunfähigkeit meist eingeschlossen |
| Ausstieg | jederzeit übertragbar | Rückkauf oft mit Verlust |
| Kosten | Depot- und Fondsgebühren | Abschluss- und Verwaltungskosten im Vertrag |
Für Selbstständige mit schwankendem Einkommen ist die Banklösung in der Regel die passendere: In einem schwachen Jahr zahlst du weniger ein, ohne einen Vertrag zu verletzen. Risiken wie Erwerbsunfähigkeit lassen sich separat und meist günstiger über eine eigene Police abdecken.
Worauf du achten musst
Zu spät einzahlen. Der Betrag muss bis zum 31. Dezember auf dem 3a-Konto gutgeschrieben sein, nicht nur überwiesen. Plane bei Jahresendüberweisungen mehrere Werktage ein.
Ein Jahr auslassen. Beitragsjahre lassen sich grundsätzlich nicht beliebig nachholen. Für nachträgliche Einkäufe gelten eigene, enge Voraussetzungen — prüfe den aktuellen Stand bei der ESTV, bevor du damit planst.
Ohne AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen einzahlen. In die Säule 3a darf nur einzahlen, wer Erwerbseinkommen erzielt. Ein Jahr ohne Einkommen bedeutet kein Einzahlungsrecht.
Die 20 Prozent falsch berechnen. Basis ist das Nettoerwerbseinkommen nach Sozialversicherungsbeiträgen. Wer vom Umsatz oder vom Bruttogewinn rechnet, zahlt zu viel ein — der übersteigende Teil wird nicht zum Abzug zugelassen und muss zurückgefordert werden.
Alles auf ein Konto legen. Der Fehler kostet erst am Ende Geld, dafür oft fünfstellig. Die Staffelung musst du Jahrzehnte vorher anlegen.
Häufige Fragen
Lohnt sich die Säule 3a auch bei niedrigem Einkommen?
Der Steuereffekt hängt am Grenzsteuersatz. Wer wenig verdient und kaum Steuern zahlt, spart entsprechend wenig — dann ist eine flexible Reserve oft wichtiger als gebundenes Kapital. Ab einem mittleren Einkommen wird die Säule 3a schnell zum stärksten Steuerhebel, den Selbstständige haben.
Kann ich zusätzlich eine Pensionskasse haben?
Ja, Selbstständige können sich freiwillig einer Vorsorgeeinrichtung anschließen, etwa über den Berufsverband. Dann gilt allerdings der kleinere 3a-Maximalbetrag. Ob sich die Kombination lohnt, hängt von Einkommenshöhe und Einkaufspotenzial ab.
Was passiert mit dem 3a-Guthaben, wenn ich die Selbstständigkeit aufgebe?
Das Guthaben bleibt bestehen. Nimmst du eine Anstellung an, gilt ab dann der kleinere Maximalbetrag. Nimmst du umgekehrt eine neue selbstständige Tätigkeit auf, ist ein Vorbezug zur Finanzierung möglich.
Muss ich die Einzahlung selbst deklarieren?
Ja. Deine Anbieterin stellt dir Anfang des Jahres eine Bescheinigung über die Einzahlung aus, die du der Steuererklärung beilegst. Ohne Bescheinigung wird der Abzug nicht gewährt.
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