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DE · AT · CH · 4.8.2026 · 8 Min. · Recht & Steuern

Scheinselbstständigkeit: Wie du das Risiko erkennst und vermeidest

Von der Calctry-Redaktion · zuletzt geprüft am 4.8.2026

Scheinselbstständigkeit: Wie du das Risiko erkennst und vermeidest

Du arbeitest als Freelancer für einen Auftraggeber — aber bist du wirklich selbstständig? Scheinselbstständigkeit ist ein ernstes Thema mit gravierenden Folgen für dich und deinen Auftraggeber. In diesem Artikel erfährst du, woran man sie erkennt und wie du dich absicherst.

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Was ist Scheinselbstständigkeit?

Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn jemand zwar formal als Selbstständiger auftritt, wirtschaftlich aber wie ein Arbeitnehmer beschäftigt ist. Der Name ist Programm: Es sieht aus wie Selbstständigkeit — ist aber keine.

Das Problem: Für Auftraggeber ist es verlockend, Mitarbeiter als Selbstständige zu beschäftigen, weil sie keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen. Für Behörden ist das Steuerhinterziehung.

Kriterien für Scheinselbstständigkeit

Deutschland: Die wichtigsten Prüfkriterien

Die Deutsche Rentenversicherung prüft anhand dieser Merkmale:

Zeichen für Scheinselbstständigkeit (jedes einzeln ist ein Hinweis):

  • Nur ein einziger Auftraggeber
  • Weisungsgebundenheit (wann, wie, wo die Arbeit erledigt wird)
  • Keine eigenen Arbeitsmittel (alles kommt vom Auftraggeber)
  • Eingliederung in die betriebliche Organisation
  • Kein unternehmerisches Risiko
  • Keine eigene Außenwirkung (keine eigene Website, keine eigenen Kunden)
  • Mehr als 5/6 des Jahreseinkommens von einem Auftraggeber

Tipp: Wenn 5 oder mehr dieser Punkte zutreffen, ist das Risiko sehr hoch.

Österreich: Ähnliche Kriterien

In Österreich prüft die Sozialversicherung ähnliche Kriterien:

  • Persönliche Arbeitspflicht (du kannst dich nicht vertreten lassen)
  • Weisungsgebundenheit
  • Keine unternehmerische Tätigkeit am Markt
  • Feste Arbeitszeiten/Anwesenheit

Schweiz: AHV-Prüfung

Die AHV-Ausgleichskassen prüfen aktiv ob Beitragszahlungen korrekt erfolgen:

  • Mehrere Auftraggeber: positiv
  • Eigene Betriebsmittel: positiv
  • Selbst tragen des unternehmerischen Risikos: positiv
  • Weisungsgebunden bei nur einem Auftraggeber: negatives Zeichen

Folgen der Scheinselbstständigkeit

Die Konsequenzen sind für alle Beteiligten ernst:

Für den Auftraggeber:

  • Nachzahlung aller Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitnehmer- UND Arbeitgeberanteil) für bis zu 4 Jahre rückwirkend
  • In Deutschland: bis zu 30% des Bruttolohns als Nachzahlung
  • Mögliche Strafverfolgung bei Vorsatz
  • Hohe Bußgelder

Für den Freelancer:

  • Nachzahlung der Arbeitnehmeranteile (kann sich der AG wiederholen lassen)
  • Probleme mit der eigenen Steuererklärung
  • Rückforderung bereits ausgezahlter Honorare möglich

So schützt du dich als Freelancer

1. Mehrere Auftraggeber haben

Der wichtigste Schutz: Nie zu 100% für einen Auftraggeber arbeiten. Idealerweise mindest. 2–3 verschiedene Auftraggeber.

2. Professionelles Auftreten

  • Eigene Website und E-Mail-Adresse
  • Eigene Visitenkarten
  • Eigene Buchhaltungssoftware
  • Eigene Arbeitsmittel (Laptop, Software etc.)

3. Vertrag klar gestalten

  • Werkvertrag oder Dienstleistungsvertrag (kein Arbeitsvertrag!)
  • Keine festen Arbeitszeiten im Vertrag
  • Recht auf Vertretung vereinbaren
  • Klare Abgrenzung zur Festanstellung

4. Statusfeststellung beantragen (Deutschland)

In Deutschland kannst du beim Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung eine freiwillige Statusfeststellung beantragen. Das gibt dir und deinem Auftraggeber Rechtssicherheit.

Statusfeststellung Deutschland: So geht's

  1. Formular V027 der Deutschen Rentenversicherung ausfüllen
  2. Beide Parteien müssen unterschreiben
  3. Einreichen bei der DRV Bund
  4. Entscheidung kommt i.d.R. in 3–6 Monaten
  5. Bei positivem Bescheid: Schutz vor Nachforderungen

Kosten: Kostenlos Empfehlung: Bei langfristigen Projekten mit einem Hauptauftraggeber immer sinnvoll!

Checkliste: Bin ich auf der sicheren Seite?

Beantworte diese Fragen ehrlich:

✅ Habe ich mehrere Auftraggeber (oder plane das aktiv)? ✅ Habe ich eigene Arbeitsmittel? ✅ Kann ich Aufträge ablehnen? ✅ Kann ich mich vertreten lassen? ✅ Setze ich meine Arbeitszeiten selbst? ✅ Habe ich eine eigene professionelle Außendarstellung? ✅ Trage ich selbst das unternehmerische Risiko?

Je mehr ✅ — desto sicherer deine Position.

Fazit

Scheinselbstständigkeit ist kein Kavaliersdelikt — sie kann für dich und deinen Auftraggeber teuer werden. Schütze dich durch mehrere Kunden, professionelles Auftreten und klare Verträge. Im Zweifel: Statusfeststellung beantragen.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei konkreten Fragen empfehlen wir die Beratung durch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater.

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