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Scheinselbstständigkeit Checker Deutschland 2026

Auswertung
Geringes Risiko
Wenig Indizien für Scheinselbstständigkeit. Trotzdem regelmäßig prüfen.
Score: 0 / 14

Dieser Checker ersetzt keine Statusfeststellung der Deutschen Rentenversicherung. Bei Unsicherheit unbedingt Antrag nach § 7a SGB IV stellen.

Hinweis: Alle Angaben dienen der groben Orientierung und ersetzen keine Steuerberatung. Werte nach aktuellem Stand — ohne Gewähr.

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Scheinselbstständigkeit Deutschland — bist du wirklich frei?

Scheinselbstständigkeit ist eine der gefährlichsten Fallen für deutsche Freelancer: Wer formal selbstständig arbeitet, aber faktisch wie ein Angestellter behandelt wird, riskiert massive Nachzahlungen — von Sozialversicherung, Lohnsteuer und ggf. Rentenkasse. Dieser Checker bewertet deine Auftragsverhältnisse anhand der wichtigsten Kriterien und zeigt, ob du in der Risikozone bist.

Was ist Scheinselbstständigkeit?

Du bist scheinselbstständig, wenn du:

  1. Formal als selbstständig auftrittst (eigene Rechnungen, eigene USt-ID, Steuernummer als Selbstständiger)
  2. Faktisch aber Merkmale eines Arbeitnehmers aufweist:
    • Weisungsabhängigkeit (Auftraggeber bestimmt Was, Wann, Wie)
    • Eingliederung in den Betrieb
    • Persönliche Leistungspflicht (kein Einsatz von Vertretern)
    • Kein eigenes unternehmerisches Risiko

Wer in diese Falle tappt, wird rückwirkend als Arbeitnehmer behandelt:

  • Sozialversicherungs-Nachzahlungen für bis zu 4 Jahre rückwirkend (in Vorsatz-Fällen 30 Jahre)
  • Lohnsteuer-Nachzahlungen
  • Rentenversicherungs-Nachzahlungen
  • Bei mehreren Verstößen: Bußgelder bis 25'000 €
  • Der Auftraggeber kann auch hart belangt werden

Die wichtigsten Kriterien der Rentenversicherung

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) prüft anhand mehrerer Kriterien. Keine einzelne Frage ist allein entscheidend — es zählt das Gesamtbild.

Risikofaktoren (sprechen für Scheinselbstständigkeit):

  1. Du arbeitest überwiegend für einen einzigen Auftraggeber (mehr als 5/6 des Umsatzes von einem Kunden).
  2. Du bist in den Betrieb eingegliedert — eigener Arbeitsplatz beim Kunden, Teilnahme an Meetings, Kollegen-Status.
  3. Der Auftraggeber bestimmt deine Arbeitszeit (feste Stunden, Urlaub nur in Absprache).
  4. Du bekommst Weisungen, was, wann, wie zu tun ist.
  5. Du nutzt überwiegend Material und Räume des Auftraggebers (Computer, Software-Lizenzen, Büro).
  6. Du hast kein eigenes unternehmerisches Risiko — wenn der Kunde pleitegeht, hast du nichts investiert oder verloren.
  7. Du bist verpflichtet, persönlich zu leisten — keine Substitution durch Mitarbeiter erlaubt.
  8. Festes Honorar pro Stunde/Monat statt projektbezogene Vergütung.
  9. Keine eigene Werbung, kein eigener Marktauftritt.
  10. Keine weiteren Kunden akquiriert, kein Interesse daran.

Indizien gegen Scheinselbstständigkeit:

  • Mehrere parallele Auftraggeber
  • Eigene Räume und Equipment
  • Eigene Mitarbeiter
  • Marketingaktivitäten (Website, Social Media, Akquise)
  • Werbung in eigenem Namen
  • Unternehmensrisiko trägt der Freelancer
  • Vertreter darf eingesetzt werden
  • Pauschale Projekt-Vergütung statt Zeitvergütung

So funktioniert dieser Checker

Du beantwortest 8-12 Fragen zu deinem Auftragsverhältnis. Der Checker bewertet:

  • Risiko-Score: wie hoch ist die Gefahr der Scheinselbstständigkeit?
  • Rote Flaggen: welche konkreten Faktoren sind problematisch?
  • Handlungsempfehlungen: wie kannst du das Risiko senken?

Wichtig: Dieser Checker ist eine erste Orientierung. Bei konkreten Verdachtsfällen unbedingt einen Anwalt oder Steuerberater konsultieren.

Die "Ein-Auftraggeber-Falle"

Die häufigste Ursache der Scheinselbstständigkeit: Du arbeitest hauptsächlich für einen einzigen Kunden.

Die DRV nimmt an: Wenn ein Selbstständiger fast ausschließlich für einen Kunden tätig ist, ist die wirtschaftliche Abhängigkeit so groß, dass er de facto wie ein Angestellter behandelt werden sollte.

Faustregel: Mehr als 5/6 (83%) des Umsatzes von einem Kunden ist Indiz für Rentenversicherungspflicht — auch wenn ansonsten keine Scheinselbstständigkeit vorliegt.

Lösung: Mindestens 2-3 parallele Auftraggeber. Wer im IT-Bereich auf eine 100% Auslastung bei einem Kunden zusteuert (typisch bei "Body Leasing"), sollte:

  • Aktiv zusätzliche Kunden akquirieren
  • Subunternehmer-Beziehungen vermeiden (kommt durch Personalvermittler oft)
  • Direkte B2B-Verträge mit Endkunden anstreben

Status-Feststellungsverfahren der DRV

Wer unsicher ist, kann beim Statusfeststellungsverfahren der DRV den sozialversicherungsrechtlichen Status klären lassen:

  • Antrag bei der DRV (Clearingstelle)
  • Prüfung anhand des konkreten Auftragsverhältnisses
  • Verbindlicher Bescheid über Selbstständigkeit oder Scheinselbstständigkeit
  • Schutz vor rückwirkenden Nachzahlungen (wenn rechtzeitig gestellt)

Vorteil: Rechtssicherheit. Nachteil: Bei negativem Ausgang sofort Nachzahlungen ab Verfahrensbeginn.

Praxis: Lieber präventiv die Struktur anpassen als nach Verfahren fragen.

Spezielle Berufsgruppen mit erhöhtem Risiko

IT-Freelancer und Body Leasing:

  • Oft langfristige Engagements bei einzelnen Konzernen
  • Festes Tagesgeld, Wochenpläne, Anwesenheitspflicht
  • Akut gefährdet — Strukturen ändern (Projektverträge statt Time & Material, mehrere Kunden, eigene Räume)

Dozenten und Trainer:

  • Wer regelmäßig für eine VHS oder Hochschule arbeitet, kann versicherungspflichtig sein
  • Lehrkräfte an staatlichen Schulen sind oft pauschal pflichtversicherungspflichtig

Pflege-Selbstständige:

  • Bei Einsatz in einer Einrichtung (Pflegeheim, Krankenhaus)
  • Sehr häufig als Scheinselbstständigkeit eingestuft

Kuriere und Lieferdienste:

  • Wer für einen einzigen Paketdienst fährt, ist meist scheinselbstständig
  • Selbst mit eigenem Fahrzeug

Berater im Mittelstand:

  • Lange Einzelauftrags-Engagements bei einem Kunden
  • "Interim Manager" sind besonders gefährdet

Rechtsfolgen bei festgestellter Scheinselbstständigkeit

Für dich (den "Selbstständigen"):

  • Du bist rückwirkend Arbeitnehmer
  • Anspruch auf Lohnnachzahlung wenn du brutto statt netto verhandelt hattest
  • ALG-, Renten-, Krankenversicherungs-Beiträge nachzuzahlen (Arbeitnehmer-Anteil)
  • Schutz nach Kündigungsschutzgesetz

Für den Auftraggeber:

  • Nachzahlung sämtlicher Sozialversicherungsbeiträge (auch Arbeitgeber-Anteil)
  • Lohnsteuer-Nachzahlungen
  • Säumniszuschläge und ggf. Bußgeld
  • Bei Vorsatz: 30 Jahre rückwirkend

Wie Auftragsverhältnisse "sauber" gestaltet werden

Vertraglich:

  • Projektbezogene Vergütung statt Stunden/Tagessatz
  • Definierte Leistungen statt "Mitarbeit"
  • Substitutionsrecht explizit vereinbart
  • Eigene Räumlichkeiten als Erfüllungsort
  • Keine festen Arbeitszeiten

Faktisch:

  • Eigene Werbung, eigene Website, eigene Kunden-Akquise
  • Mehrere parallele Auftraggeber
  • Eigene Mitarbeiter oder Substitute
  • Unternehmerisches Risiko sichtbar (z.B. Pauschalpreis-Risiko)
  • Eigene Software, Hardware, Lizenzen

Praxis-Tipp: Mindestens zwei Kunden parallel, eigene Marketing-Aktivitäten, und immer wieder neue Kunden gewinnen — auch wenn der Hauptkunde 80% bezahlt.

Häufige Fragen

"Ich arbeite für einen Kunden, weil ich kein Marketing kann. Bin ich scheinselbstständig?"

Wenn ja, ja. Die DRV bewertet nicht deinen Marketingskill, sondern die faktische Abhängigkeit. Du musst aktiv zusätzliche Kunden gewinnen.

"Ich arbeite über eine Vermittlungsagentur. Schützt mich das?"

Nein. Die Agentur ist meist nur der Vermittler — du hast ein Vertragsverhältnis mit dem Endkunden, der die Weisungen gibt.

"Mein Auftraggeber zahlt mir ein Pauschalprojekt-Honorar. Bin ich sicher?"

Hilft, aber reicht nicht. Wenn du dafür de facto 6 Monate Vollzeit anwesend bist, ist es trotzdem riskant.

"Was, wenn die DRV bei meinem Kunden eine Betriebsprüfung macht?"

Dann werden alle freien Mitarbeiter geprüft. Gefährlich für alle Beteiligten. Vor der Prüfung lieber proaktiv Struktur ändern.

Fazit

Scheinselbstständigkeit ist eine der unterschätztesten Risiken im deutschen Freelancer-Markt — und die Konsequenzen sind brutal. Nutze diesen Checker, um deine aktuellen Aufträge zu prüfen — und gestalte deine Auftragsverhältnisse so, dass du klar als Selbstständiger erkennbar bist. Lieber zwei kleine Kunden parallel als einen großen ohne Sicherheit.

Häufige Fragen

Sind die Werte für Deutschland aktuell?

Ja, alle Sätze und Freibeträge werden laufend aktualisiert.

Werden meine Eingaben gespeichert?

Nein. Ohne Account bleibt alles lokal in deinem Browser. Mit kostenlosem Account kannst du eine Berechnung speichern.

Ersetzt das einen Steuerberater?

Nein — die Ergebnisse sind Orientierungswerte. Für die individuelle Steuerplanung wende dich bitte an einen Steuerberater.