Nebengewerbe anmelden: Selbstständig neben dem Hauptjob
Nebengewerbe anmelden: Selbstständig neben dem Hauptjob
Du hast einen Hauptjob — aber willst nebenbei selbstständig sein? Das ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz grundsätzlich möglich. Aber es gibt einiges zu beachten: Arbeitgeber informieren, Steuern korrekt abrechnen, Sozialversicherung klären.
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Ist Nebengewerbe erlaubt?
Deutschland
Grundsätzlich ja — du hast das Recht auf eine Nebentätigkeit. Aber:
-
Arbeitsvertrag prüfen: Viele Verträge enthalten eine Klausel die eine Nebentätigkeit genehmigungspflichtig macht oder verbietet wenn sie in Konkurrenz zum Arbeitgeber steht.
-
Keine Konkurrenz: Du darfst deinem Arbeitgeber nicht konkurrieren — also nicht für seine Kunden tätig sein oder sein Geschäftsfeld bearbeiten.
-
Keine übermäßige Belastung: Die Nebentätigkeit darf deine Hauptarbeitsleistung nicht beeinträchtigen.
Fazit: Bei den meisten Arbeitgebern kein Problem — aber vorher prüfen und ggf. genehmigen lassen.
Österreich
Ähnliche Regelungen wie Deutschland:
- Dienstvertrag und Kollektivvertrag prüfen
- Bei Interessenskonflikten oder Konkurrenz: Arbeitgeber informieren
- Keine Pflicht zur Genehmigung wenn kein Konkurrenzverbot besteht
Schweiz
- Pflicht zu loyalem Verhalten (Art. 321a OR)
- Keine Konkurrenz-Tätigkeit ohne Zustimmung
- Informationspflicht wenn Arbeitgeber betroffen sein könnte
Wie meldet man ein Nebengewerbe an?
Deutschland
Gleich wie ein Hauptgewerbe:
- Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt (15–65 €)
- Finanzamt informiert sich automatisch → Fragebogen ausfüllen
- Steuernummer für Nebengewerbe
Oder Freiberuflich: Direkt beim Finanzamt anmelden, kein Gewerbeamt nötig.
Österreich
Gleich wie Hauptgewerbe — via USP online in 15 Minuten.
Schweiz
AHV-Anmeldung bei der Ausgleichskasse — auch für nebenberuflich Selbstständige.
Steuern auf Nebeneinkünfte
Deutschland: Hinzuverdienst versteuern
Nebeneinkünfte werden deinem Haupteinkommen hinzugerechnet — der Gesamtbetrag wird versteuert:
Beispiel:
- Hauptgehalt brutto: 50.000 €
- Nebeneinkünfte: 15.000 €
- Gesamteinkommen: 65.000 €
- Steuer auf 65.000 € (ca. 24%): 15.600 €
- Steuer auf 50.000 € (ohne Nebentätigkeit, ca. 20%): 10.000 €
- Mehrsteuer auf Nebeneinkünfte: ca. 5.600 € (entspricht ~37% Grenzsteuersatz)
Wichtig: Du versteuert die Nebeneinkünfte zum persönlichen Grenzsteuersatz — das kann je nach Haupteinkommen 30–42% sein!
Kleinunternehmerregelung nutzen
Bis 25.000 € Nebenumsatz im Jahr: Kleinunternehmerregelung wählen — keine USt-Pflicht, keine Voranmeldungen.
Österreich: Ähnliches Prinzip
Nebeneinkünfte werden zum Gesamteinkommen addiert und progressiv besteuert.
Pflichtveranlagung: In Österreich musst du eine Einkommensteuererklärung abgeben wenn du neben dem Dienstverhältnis mehr als 730 €/Jahr an anderen Einkünften hast.
Schweiz: Quellensteuer und Gesamteinkommen
In der Schweiz werden alle Einkünfte in der jährlichen Steuererklärung deklariert. Das Gesamteinkommen bestimmt den Steuersatz.
Sozialversicherung bei Nebentätigkeit
Deutschland
Bei einer Nebentätigkeit neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptanstellung:
- KV, Pflege, Rente, ALV: Du bist über deinen Hauptjob versichert — die Nebentätigkeit ändert daran grundsätzlich nichts
- Ausnahme: Wenn das Nebeneinkommen bestimmte Grenzen überschreitet, können zusätzliche Beiträge fällig werden
- Minijob-Grenze: Unter 556 €/Monat aus Nebentätigkeit: oft keine Probleme
Österreich
Als Angestellter bist du über den Hauptjob bei der ÖGK (Krankenkasse) und PVA (Pension) versichert. Die SVS kommt nur ins Spiel wenn du eine gewerbliche Nebentätigkeit anmeldest:
- Unter der Pflichtversicherungsgrenze (ca. 6.613 € Jahresgewinn): nur Unfallversicherung
- Über der Grenze: SVS-Beiträge zusätzlich zu den ASVG-Beiträgen
Schweiz
Als Angestellter zahlt der Arbeitgeber die AHV-Beiträge für den Hauptjob. Für die Nebentätigkeit:
- Unter CHF 2.300/Jahr vom selben Arbeitgeber: Kann beitragsfrei sein
- Selbstständige Nebentätigkeit: Beiträge bei Ausgleichskasse
Wann lohnt sich ein Nebengewerbe?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Testen ob Selbstständigkeit passt | ✅ Sehr sinnvoll |
| Zusatzeinkommen mit vorhandenen Skills | ✅ Gut |
| Langfristig wachsen und Hauptjob kündigen | ✅ Guter Einstieg |
| Steuerlich ineffizient wegen hohem Hauptgehalt | ⚠️ Grenzsteuersatz beachten |
| Gefahr der Scheinselbstständigkeit | ❌ Vorsicht |
Fazit
Ein Nebengewerbe ist eine gute Möglichkeit die Selbstständigkeit zu testen ohne das volle Risiko. Wichtig: Arbeitsvertrag prüfen, Steuern korrekt planen und beim Finanzamt korrekt anmelden. Bei gutem Lauf kann das Nebengewerbe zum Hauptberuf werden.
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Häufige Fragen
Muss ich meinen Arbeitgeber informieren?
In Deutschland brauchst du grundsätzlich keine Erlaubnis, viele Arbeitsverträge enthalten aber eine Anzeige- oder Genehmigungsklausel. Prüfe deinen Vertrag, bevor du startest. Verboten ist in jedem Fall Konkurrenztätigkeit — also für die Kunden oder im Geschäftsfeld deines Arbeitgebers zu arbeiten.
Kann mein Arbeitgeber die Nebentätigkeit untersagen?
Nur mit sachlichem Grund. Zulässige Gründe sind Konkurrenz, eine Beeinträchtigung deiner Hauptleistung oder ein Verstoß gegen Arbeitszeitvorschriften. Ein pauschales Verbot jeder Nebentätigkeit hält einer Prüfung in der Regel nicht stand.
Wie läuft die Anmeldung ab?
Genauso wie bei einer hauptberuflichen Tätigkeit: Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt, danach der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vom Finanzamt. Freiberufler überspringen das Gewerbeamt und melden sich direkt beim Finanzamt.
Ändert sich meine Krankenversicherung?
Solange die Selbstständigkeit nebenberuflich bleibt, läufst du weiter über die Versicherung aus deinem Hauptjob. Kippt das Verhältnis — mehr Zeit oder mehr Einkommen aus der Selbstständigkeit — kann die Kasse dich als hauptberuflich selbstständig einstufen. Dann zahlst du eigene Beiträge.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bitte prüfe deinen individuellen Arbeitsvertrag und konsultiere bei Bedarf einen Rechtsanwalt.
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