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DE · AT · CH · 3.6.2026 · 7 Min. · Finanzen & Planung

Stundensatz berechnen als Selbstständiger: So geht's richtig

Von der Calctry-Redaktion · zuletzt geprüft am 3.6.2026

Stundensatz berechnen als Selbstständiger: So geht's richtig

Viele Selbstständige setzen ihren Stundensatz zu niedrig an — und merken erst nach Monaten, dass sie kaum etwas verdienen. Der Stundensatz muss viel mehr abdecken als nur Lebenshaltungskosten.

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Die häufigsten Fehler beim Stundensatz

  • Zu wenig Puffer für Leerlaufzeiten: Nicht jede Stunde ist bezahlt. Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung kosten Zeit ohne Einnahmen.
  • Sozialversicherung vergessen: Als Selbstständiger zahlst du KV, Rente und weitere Beiträge selbst — das sind schnell 30–40%.
  • Urlaub und Krankheit ignorieren: 30 Tage Urlaub + 10 Krankheitstage = 40 unbezahlte Tage pro Jahr.
  • Betriebskosten unterschätzt: Software, Hardware, Büro, Weiterbildung läppert sich.

Die Formel: So berechnest du deinen Stundensatz

Schritt 1: Gewünschtes Jahres-Nettoeinkommen festlegen

Was willst du nach Steuern netto verdienen? Beispiel: 45.000 € netto.

Schritt 2: Steuern und Sozialversicherung draufrechnen

  • Deutschland: ca. 35–45% (Einkommensteuer + KV + Rente)
  • Österreich: ca. 35–45% (Einkommensteuer + SVS)
  • Schweiz: ca. 25–35% (Einkommenssteuer + AHV/IV/EO)

Beispiel DE: 45.000 € netto → ca. 75.000 € Bruttobedarf bei 40% Abgaben.

Schritt 3: Betriebskosten addieren

PostenBetrag/Jahr
Software & Tools1.200 €
Weiterbildung1.500 €
Hardware (anteilig)500 €
Büro/Coworking2.400 €
Versicherungen600 €
Gesamt6.200 €

Gesamtbedarf: 75.000 + 6.200 = 81.200 €/Jahr

Schritt 4: Tatsächliche Arbeitstage ermitteln

Tage
Arbeitstage im Jahr260
Minus Urlaub (25 Tage)-25
Minus Feiertage (10 Tage)-10
Minus Krankheit (ca. 8 Tage)-8
Minus Akquise & Verwaltung (15%)-32
Fakturierbare Tage185

Bei 8 Stunden/Tag = 1.480 fakturierbare Stunden

Schritt 5: Stundensatz berechnen

81.200 ÷ 1.480 = ca. 55 €/Stunde (Mindest-Stundensatz)

Stundensatz nach Branche (Deutschland)

BrancheTypischer Stundensatz
IT / Softwareentwicklung80–150 €/h
Webdesign / UX60–120 €/h
Marketing / Social Media50–100 €/h
Unternehmensberatung100–250 €/h
Texter / Content40–90 €/h
Coaching & Training80–200 €/h

Besonderheiten je Land

Deutschland 🇩🇪: Gewerbesteuer-Freibetrag 24.500 €, Kleinunternehmerregelung bis 25.000 € Umsatz.

Österreich 🇦🇹: SVS-Mindestbeitrag ca. 1.930 €/Jahr, Kleinunternehmerregelung bis 55.000 €.

Schweiz 🇨🇭: AHV ca. 10% des Reingewinns, Krankenversicherung privat ab CHF 300–500/Monat einplanen.

Fazit

Ein fairer Stundensatz schützt vor Burnout und finanziellen Engpässen. Rechne ehrlich — und hab keine Scheu, deinen Preis zu nennen.

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Häufige Fragen

Wie hoch muss mein Stundensatz mindestens sein?

Das ergibt sich aus deiner eigenen Rechnung, nicht aus einer Faustzahl. Nimm dein gewünschtes Nettoeinkommen, rechne Steuern und Sozialabgaben drauf, addiere die Betriebskosten und teile das Ergebnis durch die Stunden, die du wirklich abrechnen kannst. Im Beispiel oben kommen so aus 45.000 € Wunschnetto rund 55 € pro Stunde als Untergrenze heraus.

Warum kann ich nicht einfach das Gehalt eines Angestellten umrechnen?

Weil ein Angestellter Dinge geschenkt bekommt, die du selbst zahlst: den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die Zeit für Verwaltung. Ein Bruttogehalt durch 1.700 Stunden zu teilen führt deshalb systematisch zu einem zu niedrigen Satz.

Wie viele Stunden im Jahr kann ich realistisch abrechnen?

Deutlich weniger als die 2.080 Stunden einer Vollzeitstelle. Nach Abzug von Urlaub, Feiertagen, Krankheitstagen und rund 15 Prozent für Akquise und Verwaltung bleiben im Beispiel 185 Tage, also etwa 1.480 fakturierbare Stunden. Wer mit mehr kalkuliert, plant Leerlauf weg, den es real gibt.

Soll ich mich an den Branchensätzen orientieren?

Nur als Gegenprobe. Die Kalkulation sagt dir, was du mindestens brauchst; die Branchentabelle sagt dir, was der Markt hergibt. Liegt dein errechneter Mindestsatz über dem Branchenüblichen, musst du an den Kosten, der Auslastung oder der Positionierung arbeiten — nicht am Preis nach unten.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

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