Calctry
← Zurück zum Blog
DE · AT · CH · 7.7.2026 · 8 Min. · Buchhaltung

Buchhaltung für Selbstständige: Was du wirklich brauchst

Von der Calctry-Redaktion · zuletzt geprüft am 7.7.2026

Buchhaltung für Selbstständige: Was du wirklich brauchst

Buchhaltung ist für viele das ungeliebteste Thema der Selbstständigkeit. Dabei ist es für die meisten Einzelunternehmer erstaunlich einfach — wenn man weiß was man tun muss. Hier ist die ehrliche Anleitung.

EÜR oder doppelte Buchführung?

Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) — die einfache Variante

Die EÜR ist für die meisten Selbstständigen ausreichend und Pflicht:

Wer darf EÜR machen:

  • Deutschland: Freiberufler und Gewerbetreibende bis 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn
  • Österreich: Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR) bis 700.000 € Umsatz
  • Schweiz: Einzelfirmen ohne Handelsregisterpflicht (unter CHF 100.000 Umsatz)

Prinzip: Einnahmen minus Ausgaben = Gewinn. Fertig.

Doppelte Buchführung — wann nötig?

  • Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) immer
  • Einzelunternehmen ab bestimmten Größen (s. oben)
  • Freiwillig für bessere Transparenz

Empfehlung für Starter: EÜR. Einfach, günstig, reicht völlig.

Was muss ich aufzeichnen?

Pflichtaufzeichnungen (alle Länder)

  1. Alle Einnahmen mit Datum, Betrag, Auftraggeber, Leistungsbeschreibung
  2. Alle Ausgaben mit Datum, Betrag, Lieferant, Verwendungszweck
  3. Belege aufbewahren — jede Quittung, jede Rechnung

Aufbewahrungsfristen

LandFrist
Deutschland10 Jahre (Bücher) / 6 Jahre (Handelsbriefe)
Österreich7 Jahre
Schweiz10 Jahre

Tipp: Digital archivieren ist erlaubt und empfohlen. Apps wie sevdesk, lexoffice oder Dext machen das Belegmanagement zum Kinderspiel.

Die besten Buchhaltungs-Tools für Selbstständige

sevdesk

  • Sehr beliebt in DE und AT
  • EÜR automatisch erstellt
  • Belegerfassung per Foto (App)
  • Rechnungsstellung integriert
  • Ab ca. 13 €/Monat

lexoffice

  • Deutsche Alternative zu sevdesk
  • Sehr nutzerfreundlich
  • DATEV-Schnittstelle für Steuerberater
  • Ab ca. 19 €/Monat

Bexio (Schweiz)

  • Swiss-made, perfekt für CH
  • MWST-konforme Abrechnung
  • Angebotserstellung, Rechnungen, Buchhaltung in einem
  • Ab ca. CHF 29/Monat

Kontist (Deutschland)

  • Geschäftskonto + automatische Steuerrücklage
  • Zeigt dir in Echtzeit wie viel Steuern zurückgelegt werden sollten
  • Ideal für Freelancer die keine Überraschungen wollen

Rechnungen stellen: Was muss drauf?

Deutschland — Pflichtangaben auf Rechnungen

  • Vollständiger Name und Adresse (Aussteller + Empfänger)
  • Steuernummer oder USt-ID
  • Rechnungsdatum
  • Rechnungsnummer (fortlaufend)
  • Leistungsdatum / -zeitraum
  • Leistungsbeschreibung
  • Nettobetrag + Steuersatz + Steuerbetrag + Bruttobetrag
  • Bei Kleinunternehmer: "Gemäß §19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet"

Österreich — Pflichtangaben

Ähnlich wie DE:

  • Name/Adresse Aussteller + Empfänger
  • Steuernummer / UID-Nummer (ab 10.000 € Rechnungsbetrag: UID Pflicht)
  • Rechnungsdatum + Leistungsdatum
  • Rechnungsnummer
  • Leistungsbeschreibung
  • Netto + USt-Satz + Brutto
  • Bei Kleinunternehmer: "Umsatzsteuerbefreit gemäß §6 Abs. 1 Z 27 UStG"

Schweiz — Pflichtangaben

Weniger streng:

  • Name/Adresse Aussteller + Empfänger
  • Datum
  • Leistungsbeschreibung + Betrag
  • MWST-Nummer falls MWST-pflichtig: Steuersatz + Steuerbetrag

Häufige Buchhaltungsfehler

  1. Privatausgaben als Betriebsausgaben buchen: Nur was betrieblich veranlasst ist, gehört rein
  2. Belege nicht aufbewahren: Ohne Beleg kein Abzug — das Finanzamt akzeptiert keine "Schätzungen"
  3. Mischkonto führen: Privat und geschäftlich niemals mischen — eigenes Geschäftskonto!
  4. Fahrten nicht dokumentieren: Fahrtenbuch oder pauschale Methode konsequent führen
  5. Voranmeldungen vergessen: Fristen sind bindend — Verspätungen kosten Zuschläge

Was kostet ein Steuerberater?

Für viele Selbstständige lohnt sich ein Steuerberater ab ca. 30.000–40.000 € Jahresgewinn:

  • EÜR + Steuererklärung DE: 800–2.000 €/Jahr
  • Laufende Buchhaltung + Abschluss AT: 1.500–3.000 €/Jahr
  • Treuhänder CH: 1.500–4.000 €/Jahr

Der Steuerberater spart oft mehr als er kostet — durch optimale Nutzung von Abzügen und Gestaltungsmöglichkeiten.

Checkliste: Buchhaltung einrichten

  • Geschäftskonto eröffnen (Trennung privat/geschäftlich)
  • Buchhaltungssoftware wählen (sevdesk, lexoffice, Bexio)
  • Belegsystem einrichten (digital oder Ordner)
  • Rechnungsvorlage erstellen (mit allen Pflichtangaben)
  • Aufbewahrungsfristen kennen
  • Voranmeldungsfristen im Kalender eintragen
  • Steuerberater prüfen (lohnt es sich?)

Fazit

Gute Buchhaltung ist kein Hexenwerk — sie braucht nur Konsequenz. Ein gutes Tool und ein separates Geschäftskonto reichen für die meisten Selbstständigen völlig aus. Spare nicht an der falschen Stelle: Ordentliche Aufzeichnungen retten dir im Zweifelsfall bares Geld.

👉 Berechne deinen Gewinn und deine Steuerlast auf Calctry:


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für individuelle Buchhaltungsfragen empfehlen wir einen Steuerberater oder Treuhänder.

AnzeigeWISO Steuer – Steuererklärung einfach selbst machen