Buchhaltung für Selbstständige: Was du wirklich brauchst
Buchhaltung für Selbstständige: Was du wirklich brauchst
Buchhaltung ist für viele das ungeliebteste Thema der Selbstständigkeit. Dabei ist es für die meisten Einzelunternehmer erstaunlich einfach — wenn man weiß was man tun muss. Hier ist die ehrliche Anleitung.
EÜR oder doppelte Buchführung?
Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) — die einfache Variante
Die EÜR ist für die meisten Selbstständigen ausreichend und Pflicht:
Wer darf EÜR machen:
- Deutschland: Freiberufler und Gewerbetreibende bis 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn
- Österreich: Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR) bis 700.000 € Umsatz
- Schweiz: Einzelfirmen ohne Handelsregisterpflicht (unter CHF 100.000 Umsatz)
Prinzip: Einnahmen minus Ausgaben = Gewinn. Fertig.
Doppelte Buchführung — wann nötig?
- Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) immer
- Einzelunternehmen ab bestimmten Größen (s. oben)
- Freiwillig für bessere Transparenz
Empfehlung für Starter: EÜR. Einfach, günstig, reicht völlig.
Was muss ich aufzeichnen?
Pflichtaufzeichnungen (alle Länder)
- Alle Einnahmen mit Datum, Betrag, Auftraggeber, Leistungsbeschreibung
- Alle Ausgaben mit Datum, Betrag, Lieferant, Verwendungszweck
- Belege aufbewahren — jede Quittung, jede Rechnung
Aufbewahrungsfristen
| Land | Frist |
|---|---|
| Deutschland | 10 Jahre (Bücher) / 6 Jahre (Handelsbriefe) |
| Österreich | 7 Jahre |
| Schweiz | 10 Jahre |
Tipp: Digital archivieren ist erlaubt und empfohlen. Apps wie sevdesk, lexoffice oder Dext machen das Belegmanagement zum Kinderspiel.
Die besten Buchhaltungs-Tools für Selbstständige
sevdesk
- Sehr beliebt in DE und AT
- EÜR automatisch erstellt
- Belegerfassung per Foto (App)
- Rechnungsstellung integriert
- Ab ca. 13 €/Monat
lexoffice
- Deutsche Alternative zu sevdesk
- Sehr nutzerfreundlich
- DATEV-Schnittstelle für Steuerberater
- Ab ca. 19 €/Monat
Bexio (Schweiz)
- Swiss-made, perfekt für CH
- MWST-konforme Abrechnung
- Angebotserstellung, Rechnungen, Buchhaltung in einem
- Ab ca. CHF 29/Monat
Kontist (Deutschland)
- Geschäftskonto + automatische Steuerrücklage
- Zeigt dir in Echtzeit wie viel Steuern zurückgelegt werden sollten
- Ideal für Freelancer die keine Überraschungen wollen
Rechnungen stellen: Was muss drauf?
Deutschland — Pflichtangaben auf Rechnungen
- Vollständiger Name und Adresse (Aussteller + Empfänger)
- Steuernummer oder USt-ID
- Rechnungsdatum
- Rechnungsnummer (fortlaufend)
- Leistungsdatum / -zeitraum
- Leistungsbeschreibung
- Nettobetrag + Steuersatz + Steuerbetrag + Bruttobetrag
- Bei Kleinunternehmer: "Gemäß §19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet"
Österreich — Pflichtangaben
Ähnlich wie DE:
- Name/Adresse Aussteller + Empfänger
- Steuernummer / UID-Nummer (ab 10.000 € Rechnungsbetrag: UID Pflicht)
- Rechnungsdatum + Leistungsdatum
- Rechnungsnummer
- Leistungsbeschreibung
- Netto + USt-Satz + Brutto
- Bei Kleinunternehmer: "Umsatzsteuerbefreit gemäß §6 Abs. 1 Z 27 UStG"
Schweiz — Pflichtangaben
Weniger streng:
- Name/Adresse Aussteller + Empfänger
- Datum
- Leistungsbeschreibung + Betrag
- MWST-Nummer falls MWST-pflichtig: Steuersatz + Steuerbetrag
Häufige Buchhaltungsfehler
- Privatausgaben als Betriebsausgaben buchen: Nur was betrieblich veranlasst ist, gehört rein
- Belege nicht aufbewahren: Ohne Beleg kein Abzug — das Finanzamt akzeptiert keine "Schätzungen"
- Mischkonto führen: Privat und geschäftlich niemals mischen — eigenes Geschäftskonto!
- Fahrten nicht dokumentieren: Fahrtenbuch oder pauschale Methode konsequent führen
- Voranmeldungen vergessen: Fristen sind bindend — Verspätungen kosten Zuschläge
Was kostet ein Steuerberater?
Für viele Selbstständige lohnt sich ein Steuerberater ab ca. 30.000–40.000 € Jahresgewinn:
- EÜR + Steuererklärung DE: 800–2.000 €/Jahr
- Laufende Buchhaltung + Abschluss AT: 1.500–3.000 €/Jahr
- Treuhänder CH: 1.500–4.000 €/Jahr
Der Steuerberater spart oft mehr als er kostet — durch optimale Nutzung von Abzügen und Gestaltungsmöglichkeiten.
Checkliste: Buchhaltung einrichten
- Geschäftskonto eröffnen (Trennung privat/geschäftlich)
- Buchhaltungssoftware wählen (sevdesk, lexoffice, Bexio)
- Belegsystem einrichten (digital oder Ordner)
- Rechnungsvorlage erstellen (mit allen Pflichtangaben)
- Aufbewahrungsfristen kennen
- Voranmeldungsfristen im Kalender eintragen
- Steuerberater prüfen (lohnt es sich?)
Fazit
Gute Buchhaltung ist kein Hexenwerk — sie braucht nur Konsequenz. Ein gutes Tool und ein separates Geschäftskonto reichen für die meisten Selbstständigen völlig aus. Spare nicht an der falschen Stelle: Ordentliche Aufzeichnungen retten dir im Zweifelsfall bares Geld.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für individuelle Buchhaltungsfragen empfehlen wir einen Steuerberater oder Treuhänder.